Internationale Schüleraustausche: Sie sollen erlebnisreich sein, dem Fremdsprachenlernen einen Motivationsschub geben, persönliche Beziehungen über Grenzen hinweg eröffnen. Sie sollen helfen Vorurteile abzubauen, aber auch Andersartigkeit als Wert und Anregung verstehen zu lernen.

Seit 10 Jahren gibt es nun den jährlichen Austausch zwischen dem Weierhof- Gymnasium und dem Colegio La Salle in Bilbao im spanischen Baskenland. Und wie diese Begegnungen den obengenannten Zielen gerecht werden wollen, wird schon deutlich, wenn man die 16/17-jährigen Gäste – Sergio und Iker, Uxue und Julene und wie sie noch alle spanisch-baskisch heißen – am Tag der Abreise über ihre nachhaltigen Eindrücke in Deutschland befragt: „Erstaunlich, dass man sich hier zur Begrüßung die Hände drückt und sich nicht küsst!“ „ Dass man immer Butter aufs Brot schmiert, selbst wenn der gute Schinken oder gar Nutella drüberkommen!“ „Die deutschen Lehrer sind ja gar nicht so streng!“ Und Anerkennung, obwohl da die Ansprüche aus der Heimat hoch sind: „Wie gut das Essen schmeckt!“ Und zwar einschließlich Pfälzer Spezialitäten und in der Schule wie zu Hause. „Wie schön die Mädchen sind!“ „Wie athletisch die Jungen!“ Dank Fitness-Studio und Protein-Milchshake. „Und wie die Sonne scheint, so hoch im Norden!“

Jedes Jahr kommt im Frühling oder Frühsommer eine Gruppe aus Bilbao mit ihren Lehrern Jokin Diez, der auch ihr Deutschlehrer ist, und Errapel Mentxakatorre in die Pfalz. Jokin ist innnerhalb der 10 Jahre schon dreifacher Vater geworden. Auf die Gleise gesetzt hat den Austausch 2005 die Weierhöfer Spanischlehrerin Marta Pérez, die mit ihrer Gruppe jeweils im selben Jahr vor den Herbstferien ins Baskenland reist. La Salle sei eine katholische Ordensschule, erklärt sie, die es in etlichen spanischen Städten gebe, mit Angebot vom Kindergarten über Gesamtschule bis zum Abitur. Deutsch müsse sich dort als Wahlfach ab der 8.Klasse behaupten, aber nur gegen Französisch und später Informatik, und sei sehr geschätzt. Am Weierhof sei die Auswahl größer, so dass das notwendige Gleichgewicht der Austauschgruppen nur erreicht werden könne, wenn auf spanischer Seite die Teilnehmerzahl limitiert werde. – Wichtig ist der Lehrerin, einen Austausch anzubieten, dessen Kosten von allen Eltern aufgebracht werden können.

Die großstädtischen Spanierinnen und Spanier sind auf eine Reise „al campo“ – aufs Land – vorbereitet. Aber dann steht neuerdings nach Landung in Frankfurt und S-Bahn schon auf dem Zug in Mainz „Kirchheimbolanden“, und sie finden es gar nicht so ländlich wie erwartet. Spanische Dörfer liegen oft wesentlich mehr hinter dem Mond. Auch lernen sie auf Exkursionen ja Worms, Mainz, manchmal auch Heidelberg kennen, was darüber hinaus Ausflüge in die Geschichte sind, auch der bitteren: Das KZ Osthofen steht jedes Mal auf dem Programm. Vom historischen Kibo, wo sie auch das Museum im Stadtpalais besuchen und über die Stadtmauer laufen, sind sie sehr angetan, auch wenn hier nur der Charme der Kleinstadt waltet: Am Schlossgarten-Bahnhof steht zwar „zu den Zügen“, aber die Frage eines Schülers: „Von welchem Gleis fahren wir ab?“ war wohl doch unnötig.

In den Gastfamilien fühlten sie sich wohl und machten selbst einen guten, unkomplizierten Eindruck, wie man hörte. Sie staunten über die vielen „casas particulares“ (Einfamilienhäuser), in einer spanischen Großstadt wohnen fast alle in Etagen-Eigentumswohnungen, alles andere wäre unbezahlbar. Die Kommunikation fand bei den Gasteltern auf „Denglisch“ statt, die Jugend unterhielt sich deutsch-englisch-spanisch, was gerade besser funktionierte.

Wenn die Weierhöfer im Herbst ihren Gegenbesuch machen, können sie sich auf eine tolle, lebendige Großstadt mit Zugang zum Meer freuen. Auf architektonische „highlights“ wie das Guggenheim-Museum oder den „Puente Colgante“, eine gewaltige Brücke mit hängender Gondel für Fahrzeuge, im Eiffelturmstil, die sie in schwindelnder Höhe zu Fuß überqueren können. Sie werden die unerwartet grüne Biskaya-Landschaft erleben, die ans Allgäu erinnert, nur mit Meer und malerischen Fischerdörfern. Sie werden natürlich die spanische Sonne genießen, müssen aber auch Naturgewalten der Nordküste gewärtigen, wie eine der letzten Gruppen, die von der Polizei von der Mole in Bermeo gescheucht wurde, weil der Atlantik tobte. Und die einzigartige Wallfahrtskapelle San Juan de Gastelugatxe auf ihrem Felsen im Meer durch den Herbstnebel nur erahnen konnten.

Auf jeden Fall werden sie „Churros“ mit den Fingern in heiße „chocolate“ eintunken und knabbern und ihren Vätern als Mitbringsel eine Baskenmütze kaufen können.

 

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